Newsletter der GfdSL (Gesellschaft für deutsche Sprache und Literatur): Claudia Keller

Prämiert! Neues vom Nachwuchs am DS
Claudia Keller
Am 16. November 2019 erhielt Claudia Keller, Oberassistentin im Lehrstuhl von Sabine Schneider, im Rahmen der Jahresversammlung der Schweizerischen Akademischen Gesellschaft für Germanistik (SAGG) den Zeno-Karl-Schindler-Preis für deutsche Literaturwissenschaft. Der mit 10’000 Franken dotierte Preis wurde von der Präsidentin der Zeno Karl Schindler-Stiftung (ZKS), Frau Jacqueline Schindler, überreicht. In zwei von drei Jahren werden mit ihm Nachwuchswissenschaftler*innen aus dem Bereich der germanistischen Mediävistik ausgezeichnet, jedes dritte Jahr geht der Preis an eine*n aufstrebende*n Neugermanist*en/in.
Prämiert wurde Claudia Kellers Dissertation, die unter dem Titel ‹Lebendiger Abglanz. Goethes Italien-Projekt als Kulturanalyse› 2018 im Göttinger Wallstein-Verlag erschienen ist. René Wetzel wies in seiner Laudatio daraufhin, dass der Entscheid der internationalen Jury selten «so einhellig positiv und begeistert ausgefallen» sei wie in diesem Jahr. Claudia Kellers interdisziplinär zwischen Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft angesiedelte Monographie thematisiert ein Projekt Johann Wolfgang Goethes und Johann Heinrich Meyers, des Zürcher Malers und Kunsthistorikers, das nicht zuletzt auf Grund der Kriegswirren in den Koalitionskriegen gegen Napoleon nicht zum Abschluss gebracht werden konnte. Ziel war es, eine Kulturgeschichte Italiens zu schreiben, zugleich aber auch eine Analyse der Bedingungen von Kultur überhaupt vorzulegen.

Die Dokumente des unvollendet gebliebenen ‹Italien-Projekts› bieten somit bislang nicht erschlossene Möglichkeiten, die kollaborative Arbeitsweise Goethes und die besondere Leistung gerade auch Meyers angemessen zu beschreiben, zugleich aber auch zu erkennen, wie sehr Goethe, entgegen allen autonomieästhetischen Vorstellungen, Kunst gesellschaftlich denkt, etwa im Modellfall der Farbe: Betrachtet man Kultur in dieser Weise, erscheinen Kunst, Natur und Gesellschaft aufeinander bezogen. In der, wie die Laudatorin Sabine Schneider hervorhob, höchst innovativen Arbeit – und das ist in der Goethe-Philologie kein wohlfeiles Prädikat! – werden dabei auch neue Perspektiven auf das Spätwerk Goethes entwickelt.

So philologisch präzis, so quellengesättigt diese Arbeit ist: Claudia Keller bewohnt keinen Elfenbeinturm, sondern engagiert sich auch in der Vermittlung literaturwissenschaftlichen Wissens für eine interessierte Öffentlichkeit. So war sie Co-Kuratorin der international beachteten Ausstellung ‹Winckelmann. Moderne Antike›, die vor zweieinhalb Jahren im Neuen Museum in Weimar gezeigt wurde. Bestimmt werden wir bald Gelegenheit haben, auch auf einer Veranstaltung unserer Gesellschaft von ihr Neues über die Weimarer Klassik zu erfahren!